Niedeckens BAP - Alles Fliesst

Tracklist:

  • Hauptjewinn
  • Jeisterfahrer
  • Ruhe vor'm Sturm
  • Mittlerweile Josephine
  • Amelie, ab dofür
  • Du häss Dich arrangiert
  • Volle Kraft voraus
  • Für den Rest meines Lebens
  • Alles zoröck op Ahnfang
  • Jenau jesaat: Op Odyssee
  • Besser du jehß jetz (So what)
  • Verraten un verkauft
  • Huh die Jläser, huh die Tasse
  • Wenn ahm Ende des Tages

Info:

VÖ: 18.09.2020

Label: UMD / Vertigo Berlin

Video:

Bewertung:

Autor:  Kerbinator

Bewertung:  9 / 10



Da bin ich mir mit unserem Radio-Guru Willi einig....echte Typen im Rockzirkus sind rar geworden. Doch Wolgang Niedecken ist noch so einer dieser Typen. Er hat was zu sagen, man erkennt ihn sofort an Stimme und Aussehen und seine Relevanz für die Musikszene ist seit Ende der 70er Jahre unbestritten. Mit seiner Band BAP hat er jetzt das 20. Album „Alles Fliesst“ rausgebracht, und da er weit und breit das einzige noch verbliebene Ur-Mitglied ist, nennt er die Band jetzt einfach Niedeckens BAP.

 

Und das er immer noch was zu sagen hat, beweist er mit über einer Stunde neuer Musik, verpackt in 14 Songs, die meist immer noch den typischen (Kölsch)Charakter von BAP beinhalten, aber mit viel Liebe zum Detail auch das ein oder andere Zitat fernab von Rockmusik enthält. Doch los geht’s ganz weltmännisch mit Stadtgeflüster bei „Hauptjewinn“. Eine rockige Kölsch-Pop Nummer mit Hitqualität. Zwar ist Ur-Gitarrist Klaus Heuser schon lange nicht mehr mit dabei, aber mit Ulrich Rode hat Niedecken mittlerweile einen mindestens ebenbürtigen Gitarristen in den Reihen, wie das gute Solo mitten im Song zeigt. Und die Posaunen-Klänge im Background beweisen die Vielseitigkeit im Sound von BAP anno 2020. Erheblich daran beteiligt ist Anne de Wolff, die neben Blas- auch verschiedenste Saiteninstrumente beisteuert.

 

Auch das folgende „Jeisterfahrer“ ist typischer BAP Rock mit eingängigen Riffs, flotten Rhythmen und tollem Refrain. Danach driftet Niedecken bei „Ruhe vor'm Sturm“ erstmals mehr in den Singer/Songwriter Modus ab, den man von ihm natürlich auch kennt. Den Gesang ein wenig mit Echo verstärkt, geht’s etwas langsamer zu Werke, lässt sich aber eine schöne, elegische Gitarrenmelodie nicht nehmen.

 

Jeder Song ist in sich ein bisschen anders gestrickt. Neben ruhigen, zärtlichen Balladenmomenten mit Posaunen-Zutaten a'la „Für den Rest meines Lebens“ und „Mittlerweile Josephine“ und den bekannt flotten Rockstücken wie „Amelie, ab dofür“ (mit Saxophon Solo) und dem beinahe an Deep Purple erinnernden „Besser du jehß jetz (so what)“ mit amtlicher Orgel gibt es reichlich zu entdecken auf „Alles Fliesst“. Bluesige Momente bei „Verraten un verkauft“, ein Song mehr aus dem Swing/Jazz Bereich mit überraschenden Reggae Rhythmen, das als fröhliches Stimmungslied überzeugt („Huh die Jläser, huh die Tasse“) oder aber das tanzbare, swingende „Jenau jesaat: Op Odyssee“ mit Bläsereinatz und poppigem Refrain.

 

Es ist viel geboten in der BAP Welt der heutigen Zeit. Wolgang Niedecken schreibt nach wie vor Songs zum Nachdenken, zum Relaxen oder zum Fröhlichsein, sowie natürlich auch immer ein wenig sozialkritisch. Er darf das, er muß das, er soll das auch ganz genau so machen wie auf „Alles Fliesst“.

 

Selbstverständlich muß man auch noch 2020 den köllschen Slang von Niedecken abkönnen. Wem das nichts ausmacht, offenbaren sich viele Perlen zeitgenössischer Rockmusik, die vielseitiger nicht sein könnten und die man teilweise auch so schnell nicht mehr aus dem Ohr bekommt. BAP oder besser Niedeckens BAP sind heute erwachsener aber keinesfalls abgenutzter als früher und die Erfahrung von Wolfgang und den einzelnen Mitmusikern ist in jeder Note, in jedem Satz zu spüren. Ganz tolle Musik eines (oder besser mehrerer) echten Typen.  



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