VÖ: 17.04.2026
Label: Eigenrelease
Autor: Kerbinator
Bewertung: 8,5 / 10
Italienische Progbands…das hat schon so ein gewisses Etwas. Man denke an die Veteranen Asgard oder Banco del Mutuo Soccorso, Le Orme oder Moongarden und aktuell eben auch Karmamoi, die mit „Eternal Mistake“ ihr bereits siebtes Studioalbum herausgebracht haben. Zeitgenössischer Progressive Rock der 2008 in Rom gegründeten Band mittels eines Konzeptwerks, das die Geschichte der Liebe zwischen einem Menschen und einem Humanoiden erzählt. Viel Poesie vermittelt durch atmosphärische, teils cineastische Stimmungen und Emotionalität verpackt in dreizehn Songs, die abendfüllend durchs Programm führen.
Das Album beginnt zunächst mit einem sphärischen Intro, „The Regrets", und gesprochenem Wort von Gabriele Giovannoni. „Lara Is Your Name“ startet dann den eigentlichen Reigen mit mystischen Klängen , guten Beats und düsterem Gesang von Valerio Sgargi. Durch bombastischen Refrain, Passagen mit verzerrten Vocals, wunderbarem Gitarrensolo, sowie einigen Breaks, dem auch mal harte Momente folgen, setzen Karmamoi gleich die gesamte Bandbreite modernen Progs ein. Langsamer, melodischer ertönt zunächst dagegen „Don’t Knock On The Door“, und auch der Gesang liegt um einige Stufen höher. Zwischen hochmelodisch, luftigen und intensiven Passagen pendelt das Stück hin und her. Am Ende darf’s auch mal besinnliche Piano-Momente geben.
„I’m Not On Your Side“ drängt durch härtere Gitarren und funkigen Gesang mehr in die Moderne, was ebenso rockig schräge Gitarrenklänge bestätigen. Der erste Longtrack mit über zehn Minuten steht danach mit „Nothing But“ an, bei dem auch Gast Randy McStine mitgewirkt hat. Himmlische Stimmung, mehrstimmiger Gesang und eine entspannte Atmosphäre betören zunächst, bevor der Song erneut in einen düsteren Abschnitt mit etwas unheimlich wirkender Gitarrenpassage mündet. Durch bombastische Chöre, schräges Gitarrenspiel und Synthiewirbel erfährt der Track endgültig seine fordernde Komplexität.
Ruhig, theatralisch und im Frank Sinatra-Stil gerät im Anschluß das kurze Zwischenspiel „The Mirror“. Mit psychedelischen Vibes streut „No Soul“ neben feinen Gitarreneinspielungen und Dynamik im Refrain weitere Gewürze in die bereits sehr schmackhafte Prog-Suppe. Vollig verklärt, ruhig und mit tollem Gesang, sowie Akustik-Gitarre zieht der Titelsong, „Eternal Mistake“ das eher balladeske Register, dem ein weiteres, sphärisches Zwischenspiel, „The Question“, mit verzerrten Stimmen und Orgel folgt.
Weiblicher Gesang (Susanna Brigatti) , Piano, sowie dynamische Proglinien prägen „We Are Going Home“ bevor mit „Hero“der nächste Zehnminüter ansteht. Mit Adam Holzman als Gast trägt die Nummer eine erheblich düstere Note mit gespenstischem Gesang , schwerer Orgel-Drum-Passage und hoher Intensität. Es passiert wieder viel während des Songs mit Keyboard Parts, verklärtem Solo-Gesang, dunklen Momenten und träumerischem Schweben am Ende. Ganz anderer Art ist das mit fröhlicher Stimmung im FlowerPower-Modus agierende „Passing Away“, dem Karmamoi ein reichlich bombastisches Ende spendiert haben. Das Finale, „No Fuckin Way“, darf dann hautpsächlich erdiger rocken, erneut psydelische Spuren beinhalten und mit einem feinen Gitarrensolo abschliessen.
Ja, man kann schon sagen, das ist Prog italienischer Art mit viel komplexen Arrangements, viel Tiefe und unvermeidlicher Theatralik. Alles perfekt umgesetzt von einer Band, die ihr Handwerk mehr als vesteht und auch mit „Eternal Mistake“ keinen Freund anspruchsvoller Musik kalt lassen kann. Karmamoi sind eine außergewöhnliche Band, die man als Prog-Fan definitiv kennen muss.
