VÖ: 31.10.2025
Label: KScppe
Autor: Kerbinator
Bewertung: 8 / 10
Es ist wieder mal höchste Zeit für atmosphärischen, teils romantischen Prog Rock aus Norwegen. Denn endlich legen Gazpacho mit „Magic 8 Ball“ nach längerer Zeit ein neues Album vor, das sämtliche Trademarks der Band erneuert und sicherlich jedem Fan der Band sofort gut reinlaufen dürfte. Acht Songs lang dreht sich das Werk um das Thema Schicksal und dessen Unvorhersehbarkeit. Die Songs sind als eine Art Kurzgeschichten aufgebaut und bei jedem Track wird eine andere Figur am Wendepunkt begleitet. So weit, so gut. Musikalisch ist man jedenfalls sofort wieder up to date, sobald die ersten Töne erklingen.
Und die erklingen zunächst beim über neunminütigen Opener „Starling“. Viel Gazpacho in Reinkultur gibt es also gleich zu Beginn. Sei es der besinnlich ruhige Piano-Start oder der markant zärtliche Gesang von Frontmann Jan Henrik Ohme, man fühlt sich sofort wohl und geborgen beim mitunter immer auch ein wenig cineastischen Sound der Norweger. Echo, schön hohe warme Klänge, intensivere Passagen, Keyboardgeflöte, sowie mehr Dynamik im Marillion-Stil setzen erste Gazpacho-Ausrufezeichen und feine Prog-Schwingungen.
Etwas spacig verzerrter Sprechgesang leitet das folgende „We Are Strangers“ ein. Fremd ist uns das Ganze trotzdem nicht. Mehrstimmiger Gesang darf zu flotten Rhythmen und Beats übergehen, der Grundtenor des Songs besitzt ein klein wenig Pop-Appeal. Ruhig und sphärisch beginnt „Sky King“, das mit Frequenz-Geräuschen im Background dann zu mehr Intensität und Druck übergeht, sowie einen an Rush erinnernden Part auffährt. Piano darf natürlich auch hier an wohldosierten Stellen nicht fehlen.
Das recht kurze „Ceres“ bringt eher verspielte Töne und erzählerischen Gesang auf’s Parkett. Sehr stimmungsvoll mit erneut erhaben sphärischen Momenten. Mit über sieben Minuten wieder eher in Prog-Länge offenbart „Gingerbread Man“ zunächst Gewitter und langsamen Einstieg. Bevor es erneut in Marillion-ähnlicher Art mit Echo-Gesang und auch symphonischen Backings weitergeht. Auch ein paar jazzige Momente dürfen es hier mal sein. Theatralische Stimmung und leichter Zirkus-Flair findet sich bei „Magic 8 Ball“, dem Titelsong, ein. Fröhlich und verspielt geht’s zu, also nichts mit allzu düsterer Stimmung, was das Grundthema des Albums verheißen könnte.
Richtig warm um’s Herz wird es einem dann bei „Immerwahr“, ob des entspannten Gesangs, der verträumten Keyboardpassagen von Thomas Andersen, der berührenden Akustik-Gitarrenbegleitung von Jon-Arne Vilbo und der zum Ende hin aufkeimenden Dramaturgie. Das gleiche gilt auch für den Abschluß-Song „Unrisen“, der zudem folkige Klänge mit einwebt. Dramatik und Keyboardflächen lassen das Album betont mächtiger ausklingen.
Gazpacho ist mit „Magic 8 Ball“ erneut ein für sie typisches Album gelungen, mit viel Wertschätzung für ruhige, entspannt wohlfühlige Momente. Aber auch mit den richtig gesetzten Stimmungswandlungen in puncto Intensität und Dramaturgien. Bei den Norwegern weiß der Fan was einen erwartet und man wird auch diesmal definitiv wieder nicht enttäuscht. Hohe Art Rock-/Prog-Kunst.
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