ERIC CLAYTON - A Thousand Scars

Tracklist:

  • The Space Between Us
  • Revelation Mine
  • Where It Starts
  • In The Lines
  • A Man's Heart
  • Initiated
  • The Cages
  • Lacerations
  • Chasing Monsters
  • A Subtle Collapse
  • American Whore
  • Faithful Son
  • New Man
  • A Thousand Scars
  • The Greatest Of These

Info:

VÖ: 24.04.2020

Label:  Eigenvertrieb

video:

Bewertung:

Autor:  Kerbinator

Bewertung:  9 / 10



Die Stimme ist wieder da. Und zwar, die einzigartige Stimme des Eric Clayton, seines Zeichens Frontmann der legendären Epic Progmetal Band Saviour Machine, die ihr Schaffen nie ordentlich zu Ende gebracht haben. Den aufwändigen Soundtrack zur Apokalypse mit der „Legend“-Trilogie konnte aufgrund mehrerer Querelen kein gutes Finale finden und schwebt somit weitestgehend noch im Raum.

 

Das Eric Clayton jetzt mit „A Thousand Scars“ zurück ist, lässt vielleicht doch noch auf einen würdigen Abschluß hoffen. Man konnte im Vorfeld zwiespältiger Meinung sein, was ein neues Album des Meisters betrifft. Mit halbgaren Live-Auftritten als Eric Clayton and the Nine demontierte er ein wenig den Ruf und nicht nur ich schrieb ihn mehr oder weniger ab. Das alles ist jetzt Makulatur, denn mit diesem Album ist Eric Clayton absolut wiedererstarkt zurückgekehrt.

 

Ein Album, das autobiografischer nicht sein könnte, lässt von der ersten Sekunde an den Spirit von Saviour Machine aufleben. Liegt natürlich am Gesang, der im Laufe der Jahre kein bisschen nachgelassen und von seiner Faszination verloren hat. Aber auch durch das charakteristische Gitarrenspiel des Bruders Jeff Clayton, das den ein oder anderen Song auf „A Thousand Scars“ so veredelt, als könnte es durchaus von einem neuen Saviour Machine Album stammen.

 

Doch das Album insgesamt ist anders. Nicht weniger intensiv, aber anders. Dies liegt an der Vielzahl an begnadeten Musikern, die sich Eric neben seinem Bruder mit an Bord geholt hat. Allen voran Ludo Caanen, der mit viel Piano und Keyboards diese ergreifenden Momente mit erschafft, die einen mehrmals vor Gänsehaut erzittern lässt. Aber auch die vielen Background-Gesänge/Chöre, die mehr als einmal Gospel-Elemente erhalten, lassen ganz besondere Stimmungen aufkommen. Fernab von der grundsätzlichen Melancholie und Düsternis.

 

Gutes Beispiel dafür ist gleich der Opener und erst Single-Auskopplung „The Space Between Us“. Alles beginnt langsam und beschwörend mit Akustik-Gitarre und Gesang. Der Song steigert sich immer mehr an Intensität und wenn Drums und die elegische, typische Saviour Machine Gitarre ertönt, erfährt man die erste Woge der einzigartigen Stimmung, die nur ein Eric Clayton in dieser Form erzeugen kann. Soundgewaltig und mit einem ersten Background-Chor klingt die Nummer mit ergreifenden Refrain aus.

 

So in etwa verhält es sich in vielen der 15 (!!) Songs, die eine stattliche Spielzeit bedeuten (knapp 80 Minuten). Ein erzählerischer Eric Clayton in „Revelation Mine“, dem mächtige und auch mal härtere Gitarrenklänge obliegen, setzen neue Maßstäbe in Sachen Epik. Neben flotteren, luftigeren Stücken wie „In The Lines“ oder dem mit diversen Soundsamples und fast schon tanzbaren Beats ausgestatteten „American Whore“ sind es vor allem die dramatischen, ergreifenden und bedrückenden Tracks, die einen platt vor Staunen mit offenem Mund zurücklassen. Als Beispiel sei hier „Chasing Monsters“ genannt, eine mit Piano lebende, melancholische Ballade die einen Eric Clayton zeigt, der immer intensivere Gesangsformen annimmt.

 

Die Stimmung auf „A Thousand Scars“ ist eigentlich immer erhaben düster, teilweise bedrohlich und findet mittels theatralischer Mittel statt, die man einfach nur als sensationell bezeichnen kann. Die gewisse Grundhärte, die man von Saviour Machine her kennt, ist ruhigeren und berührenderen Klängen gewichen. Die Melancholie und Dramatik dagegen geblieben. Dennoch fehlen härtere Passagen nicht gänzlich. „Lacerations“ beispielsweise besitzt recht harsche Background-Chöre und wird, nachdem es mit Piano und Bongos begonnen hat, auch gitarrentechnisch härter. Oder das dunkle, irgendwo zwischen Euphrat und Tigris aufschlagende „Initiated“, mit biblischer Härte gesegnet.

 

Es gibt so viel zu erzählen, so viel zu erleben auf „A Thousand Scars“. Da holt sich der gute Eric mal weibliche Unterstützung im Gesang beim Midtempo-Stampfer „A Subtle Collapse“ oder dem mit Tribal-Drums garnierten „Where It Starts“. Oder es wird nach sich immer mehr steigernderen Intensität bombastisch („New Man“). Der absolute Höhepunkt und an ergreifender Wirkung nicht zu überbietend kommt zum Schuß mit „The Greatest Of These“. Vom Titeltrack zuvor bereits mit Gänsehaut bestückt, erlebt man einen Song, den man fast nicht beschreiben kann, sondern erleben muss. Moll-Piano, ruhiger Gesang sind nur die anfänglichen Berührungspunkte, die mit Akustkik-Gitarrenbegleitung in wunderschönen Melodien, Gospel-Backgrounds und fantastischen Gesangsdarbietungen gipfeln.

 

Das von Devon Graves (der nebenbei auch mal mitsingt und Saiten zupft) sehr stark und klar produzierte „A Thousand Scars“ liefert das persönlichste, vielleicht auch autobiografischste Album des Eric Clayton. Saviour Machine spalteten damals die Hörerschaft, so wird dies auch mit diesem Album sein. Denn die uneingeschränkten Supporter der Legende werden auch dieses Album ohne Einschränkungen lieben. Wer mit der Ausrichtung, Theatralik und dem Sound von Saviour Machine nichts anfangen konnte, sollte auch hier die Finger weglassen.

 

„A Thousand Scars“ ist nicht einfach nur ein Album. Es ist ein Monument. Des Schaffens, des Wirkens, des Lebens des Eric Clayton. Viele fantastische Musiker geben den würdigen Rahmen für ein faszinierendes Werk.  



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Kommentare: 3
  • #1

    Bertram (Sonntag, 05 Juli 2020 09:52)

    Super geschrieben, bin ich gespannt.

  • #2

    Ralf Brunzel (Sonntag, 02 August 2020 17:29)

    Besser kann man diese geniale CD nicht beschreiben. Das lange Warten hat sich absolut gelohnt

  • #3

    Simone (Sonntag, 30 August 2020 15:18)

    Toller Bericht über eine CD, die neue Maßstäbe setzt. Gänsehaut in Dauerschleife, eine Stimme die einen umarmt und absolut erstklassige Musik.
    Die Zeit bis zu diesem Album war gefühlt unendlich - aber jeden einzelnen Moment wert.
    Absolute Empfehlung - holt Euch dieses Album! Es lohnt sich!