VÖ: 17.04.2026
Label: No Remorse Records
Autor: Kerbinator
Bewertung: 8 / 10
Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem letzten Album „Astronomica“ bringt die US-Legende Crimson Glory mit „Chasing The Hydra“ eine neues Werk heraus. Irgendwie hat es sich fast abgezeichnet nach den jüngsten Auftritten der Band, die durchaus erfolgreich waren. Von der Ur-Besetzung sind noch Jeff Lords, Ben Jackson und Dana Burnell dabei. Neu hinzugekommen sind Gitarrist Mark Borgmeyer und Sänger Travis Willis. Letzterer ist definitiv eine gute Wahl, hat er doch bereits auf dem letzten Album der Griechen Nightsteel gezeigt, das er den Spirit eines Midnight durchaus transportieren kann.
Das zeigt er gleich im Opener „Redden The Sun“, einem sperrigen, mit vertrackten Riffs daherkommenden Progmetaller, der in feiner Crimson Glory Art flott über die Bühne geht und mit frickeligen Gitarrensoli, sowie einem ruhigen Part am Ende durchaus der Legende gerecht wird. Beim folgenden Titelsong „Chasing The Hydra“ wird deutlich, das Travis Willis trotz aller Midnight-Ähnlichkeit eine etwas rauhere Gangart bevorzugt. Dafür lassen typische Crimson Glory-Gitarrenrhythmen und ein wenig düstere Vibes , sowie ein etwas schräges Gitarrensolo die Huldigung alter Klassiker zu.
Noch mehr davon beim anschließenden „Broken Together“, das auch die balladesken Momente wie bei früheren Songs a’la „Lady Of Winter“ oder „Lonely“ aufnimmt, sowie mit intensiven und recht harten Passagen glänzt. Die mystische Aura, die seit Anbeginn die Amis umweht hat, verdeutlicht „Angel In My Nightmare“ recht gut. Akustik-Gitarre, ruhiger Gesang und dann Fahrt aufnehmend mutiert das Stück zum wahren Stampfer mit Weltklasse-Gesang. Auch wenn nicht alle Tracks sofort beeindrucken , sind es immer wieder die Momente wie bei „Beyond The Unknown“, die anhand vieler Breaks den Anspruch alter Crimson Glory in die Gegenwart ziehen. Mitunter geht’s wir hier etwas freaky zu, was den Nummern aber gut steht.
Zum Ende des Albums hin wirken Songs wie „Armor Against Fate“ und „Pearls Of Dust“ ein bisschen wie Füllmaterial, setzen aber dennoch auf die für die Band typischen Trademarks. „Triskaideka“ lässt das Album mit frickeligem Start, balladeskem, mehrstimmigem Gesang, hoher Melodik im Refrain und mit einem Gitarrenwirbel ausklingen.
Natürlich werden Crimson Glory nie mehr die Klasse des Debut Albums oder „Transcendence“ erreichen. Das sollte der geneigte Fan auch nicht erwarten. Trotzdem ist „Chasing The Hydra“ das beste Crimson Glory Album, das man seit dieser Zeit gehört hat. Der Gitarrensound lässt absolut Vergleiche zur Frühzeit zu und Travis Willis ist, wie gesagt, die Idealbesetzung um das Vermächtnis eines Midnight zu ergänzen. Ein überraschend starkes Album einer legendären Band, das man so vielleicht nicht unbedingt erwarten durfte.

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