ARMED CLOUD - Torque

Tracklist:

  • Torque
  • Heart Of Darkness
  • Big Bang Theory
  • Torque II
  • Cloud Ouverture
  • Under The Horizon
  • Wound In My Heart
  • Awaiting The Sound Of The Chimes

Info:

VÖ: 28.11.2020

Label: MEY Productions

Video:

Bewertung:

Autor:  Kerbinator

Bewertung:  9 / 10



Armed Cloud sind eine Alternative Progressive Rock/Prog Metal Band aus den Niederlanden. Ihre Einflüsse reichen laut eigenen Angaben von progressiven Größen wie Fates Warning, Dream Theater und auch Savatage bis zu alternativen Bands der Marke Muse, Disturbed und Avenged Sevenfold. Nun ja, ich höre da zum Teil andere Einflüsse raus wie beispielsweise Vanden Plas oder auch niederländische Progbands wie Flamborough Head. Aber es stimmt schon, modernere, von mir aus auch alternative-lastige Momente sind durchaus vorhanden.

 

Mit „Torque“ kommt jetzt das dritte Album heraus und gleich vorweg, es wird zu einer spannenden Angelegenheit. Denn was Armed Cloud mit ihren 8 neuen Kompositionen vom Stapel lassen, ist wahrlich nicht von schlechten Eltern. Das Album beginnt mit einem dystopsichen Intro („Torque“), das an futuristische Düsternis grenzt und ein wenig vielleicht das Albumartwork vertont. Dem entgegen folgt ein kurzer hoch gesungener Part.

 

Dann geht’s aber auch schon mit „Heart Of Darkness“ und einem recht harten Progmetal Riff zur Sache. Gitarrist Kay Bouten ist derjenige, der den modernen Sound fabriziert, in dem er tiefer gestimmte mit melodischen Progmetal-Saiten verknüpft. Sänger Daan Dekker ist ein kleines Phänomen. In einem Moment singt er klar und elegisch wie ein Fabio Leone (Rhapsody, Vision Divine), dann wieder rauher wie ein Bob Catley zu ganz frühen Zeiten, dann schreit er wie am Spieß und erzeugt dadurch auch noch Gänsehaut. Für heimelige Prog-Atmosphäre sorgen zudem Keyboardflächen von Remcon Van Der Veen, gerne auch mal im Duett mit der Gitarre. Ein sehr schöner Progmetal-Song zum Einstieg.

 

„Big Bang Theory“ legt einen funkigen Beginn hin mit kratzigen, holprigen Gitarrensamples. Demgegenüber steht wieder der schöne, melodische Gesang von Daan, der den Song erst einmal beruhigt. Doch etwaige Keyboard-Wirbel und härtere Gitarrenpassagen feuern weiter an. Unterbrochen von einer Neoprog-Keyboardmelodie steigert sich Daan zu tierischen Screams, bis melodische Tastenanschläge und Gitarrenlicks im Duett die Wogen glätten. Ganz stark !!

 

Es folgen zwei rein instrumentale Stücke. „Torque II“ setzt auf Drums (Rico Noijen), wuchtige Toms und folkloristische Pipes, was dem Ganzen mysteriöse Klänge entlockt. „Cloud Ouverture“ spannt den Bogen weiter mit „jaulender“ Gitarre, tollen Keyboardmelodien und druckvollen Rhythmen. Eine weitreichend impulsive Instrumentalphase erinnert ein wenig an Dream Theater.

 

Mehr im Midtempo-Prog unterwegs ist „Under The Horizon“, bei dem Daan so eine Art waviges Gesangstalent offenbart, die Nummer ein wenig in den Bereich fröhlichen Art Pop schiebt, aber mit pulsierenden Basslinien (Boris Suvee) und Gitarrenrhythmen gegensteuert. In dieser Art geht auch „Wound In My Heart“ weiter, das ruhig und mystisch startet und mit tollen Melodiebögen und wahnsinnig emotionalem Gesang zur absoluten Glanzleistung von Armed Cloud wird. Alleine die gänsehautverursachende Keyboardmelodie zum Ende hin lässt diese Nummer zum absoluten Highlight werden. Auch ein funkiges Zwischenspiel passt hervorragend dazu und zeigt die ganze songwriterische Finesse der Band.

 

Den über 12-minütigen Longtrack „Awaiting The Sound Of The Chimes“ spart sich die Band bis zum Schluß auf. Sphärischer Beginn und ein langsamer Gitarrenpart bauen die Spannung auf, die sich dann in Wechselspiel von wavigem Gesang, rauher Stimmakrobatik und Screams erstreckt und mit frickeligem Gitarrenspiel zur tollen Abfahrt mit giftigen Vocals wird. Ein gewisser Vanden Plas Touch ob der Theatralik und Epik ist nicht von der Hand zu weisen.

 

So endet ein absolut faszinierendes Album dieser Niederländer. „Torque“ besitzt so viel Atmosphäre und Soundkontraste, daß sich die Vielfalt mit jedem Durchlauf immer mehr erschließt. Starke Musiker, ein charismatischer und variabler Sänger und ein unschlagbares Gespür für Songauf-und Ausbau sind die Essenzen, die Armed Cloud auszeichnen. Auch wenn's recht modern ist, hat mich selten ein Album so auf Anhieb überzeugt wie dieses. Kein Prog(metal)-Fan kommt wirklich an dieser Band vorbei. Und daß die Band sogar ihr eigenes Bier vertreibt, spricht für den Mut der Jungs. Ganz große Klasse. 



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