CHAOS UNITY FESTIVAL  2025

Location:  Stadthalle, Lohr

am:  08.11.2025


Zwischen Herbst und Winter, wenn die Tage düsterer und kälter werden, ist es zur schönen Tradition geworden….das Chaos Unity Festival im beschaulichen Lohr/Main. So auch dieses Jahr wieder, denn die Jungs von Final Breath haben zur bereits vierten Veranstaltung dieses Formats aufgerufen. Dabei ist festzustellen, das dieses Festival, welches schon immer ein handverlesenes Line Up vorweisen konnte, von Jahr zu Jahr an Zugpferden gewinnt. War im vergangenen Jahr noch die UK-Wand Memoriam als Aushängeschild dabei, so sind in diesem Jahr neben den Schweden-Death Pionieren Unleashed sicherlich Illdisposed und Suidakra als großartige Argumente, das Chaos Unity zu besuchen, zu nennen.

 

 

Das auch in Lohr die Ticketpreise anziehen müssen, war natürlich abzusehen, dennoch hält man diese in respektablem Rahmen und bietet dafür dieses Mal eben ein noch zugkräftigeres Line Up, sowie erstmal im Foyer so etwas wie einen kleinen Metalmarkt. Hohe Wertigkeit ist also immer noch und immer mehr Trumpf bei Heiko Krumpholz und den Final Breath Leuten. Also Sachen gepackt und los geht’s in die Schneewittchenstadt, Und das das Konzept des Chaos Unity 2025 voll aufgeht, zeigt sich sofort an den schon zu Beginn um 15.30 Uhr recht hohen Besucherzahlen, was auch den eröffnenden Bands zugute kommt.

So auch dem Opener Ratrotten aus Würzburg. Eine stattliche Zahl an Besuchern haben sich gleich zu Beginn vor der Bühne eingefunden, um dem Blackened Thrash’n Roll der erst 2023 gegründeten Band zu lauschen.  Straight und direkt in die Fresse hauen die Jungs ihre auch mal an Slayer erinnernden Brachialorgien um die Ohren, was das Publikum definitiv von Anfang an einheizt. Auch wenn das dann doch nicht Torsten Legat ist, der da mit nacktem Oberkörper den Blickfang der Truppe darstellt, so kann sich das bereits erheblich professionelle Stageacting der Bande absolut sehen lassen. 

Noch mehr Brachialität fördern danach Soul Grinder aus Bremen zu Tage. Kompromissloser Death Metal der Vomitory / Suffocation-Klasse und ein Statement unangepasster Riff-Orgien lösen auch so manche Metal-Punk Assoziationen aus. Da lediglich als Trio unterwegs, ist man im Vergleich zu Ratrotten vom Sound her „dreckiger“ auf der Gasse, es findet sich aber auch das ein oder andere moderne Element ein, das kratzig mit Breakdowns den dunkelsten Herbst einläutet. 

Noch dunkler wird’s danach bei den Black Metallern von Morbus Dei. Und somit bei der ersten Band, die an diesem Tag ein wenig polarisiert. Zwar wurden die kalten Eruptionen der Band in meist blau-schwarzem Licht und mit stimmigen Backdrops eindrucksvoll in Szene gesetzt, aber diese Eiseskälte wollte dann doch nicht so richtig auf das Publikum überspringen. Atmosphärisch und technisch konnte man der Band absolut nichts vorwerfen, aber ein kaum wahrnehmbarer Aktionsradius des Sängers, der immer in gleicher Stimmlage kreischt, und fehlende Aha-Momente, wie man sie beispielsweise bei Watain zu Hauf findet, ließen einen zumindest zwiespältigen Eindruck. Es gibt sicherlich andere Genre-Festivals, die für eine Band wie Morbus Dei besser geeignet sind. 

Da ging’s im Anschluss bei den Death Metallern Soul Demise wieder ganz anders ab. Fetter Death-Groove mit neuem Album im Gepäck brannten die Gitarristen ein absolutes Riff-Feuerwerk ab, fulminanter Sound krachte aus den Boxen und Front-Schrat Roman weiß halt wie man ein Publikum durch den Set führt. Nie stillstehend ein krasses Gegenbeispiel zum vorherigen Act. Nicht einen Zentimeter in Wucht nachlassend, wurde die Stadthalle eine Dreiviertelstunde lang von den Neumarktern regelrecht zerlegt, und kein Fan (melodischen) Death Metals sollte sich Auftritte dieser Band entgehen lassen. 

Kommen wir zur zweiten Band, die etwas polarisiert an diesem Tag.  Suidakra aus Düsseldorf. Nicht, weil die Band etwa schlecht wäre. Nein. Aber der hohe Folkmetal-Anteil in dem an sich melodischen Death Metal Stil setzt doch dem ein oder anderen ein Stirnrunzeln auf. Es ist eben eigeständige Musik, die man bei Suidakra erlebt und daher vom musikalischen Anspruch her die forderndste Band des Abends. Das dabei durch die erhabene Atmosphäre bedingt einiges aus der Konserve im Background eingespielt wurde, soll nicht weiter erwähnt werden. Es gehört eben zum Sound der Band dazu, die sich aber trotzdem hervorragend auf der Bühne verkauft hat. Die langjährige Stage-Erfahrung von Suidakra kam voll zum Tragen, es waren halt so etwas wie die „braven Buben“ des Billings. 

Ein braver Bube ist Bo Summer sicherlich nicht, zumindest nicht on stage. Auch heute floss hier das Bier beim Auftritt der dänischen Melodic Death Institution Illdisposed reichlich und der charismatische Fronter führte eine Stunde lang mit seiner markanten Growl-Stimme durch alte Klassiker wie „Dark“ und natürlich auch durch Einiges des letzten Albums „In Chambers Of Sonic Digust“.  Es ist immer wieder eine absolute Freude diese Legenden aus Dänemark zu sehen, auch wenn sich im Laufe der Jahre natürlich immer mal wieder das Personal-Karussell gedreht hat. Auffällig war auch, das Illdisposed die einzige Band waren an diesem Tag, die weder ein Backdrop aufgehangen noch irgendwelche Aufsteller dabei hatten. Man durfte also die Band lediglich an den markanten Songs und freilich an Bo Summer erkennen. Reicht ja auch, Prost !

Traditionell haben es sich auch dieses Jahr Final Breath nicht nehmen lassen, einen Klassiker-Set zu spielen. Wie im vergangenen Jahr, als man Memoriam den Vorzug des zuletzt auftretenden Acts ließ, spielten Frontbrüller Patrick Gajda und die Jungs um Drum-Tier Heiko Krumpholz als vorletzte Band und ja, immer noch ist kein neues Album erschienen. So daß nach wie vor das Artwork von „Of Death And Sin“ von 2018 das Backdrop der Bühne beim Auftritt der Lokalmatadoren ziert. Routiniert aufgezogener Auftritt, der immer wieder mit knackigem Death-Thrash überzeugt, sollte auch diesmal wieder zum guten Chaos Unity Ton zählen. Und ich sag diesmal auch nicht, daß es mal wieder Zeit für ein neues Album wäre. 

Was nun folgte war nicht weniger als der komplette Abriss der Stadthalle Lohr durch Johnny Hedlund und seiner legendären Kapelle Unleashed. Passend natürlich, das man dabei gleich das neue Album „Fire Upon Your Lands“ präsentieren konnte, von dem es „War Comes Again“ und „To My Only Son“ ins Set geschafft haben. Neben vielen Klassikern natürlich wie „To Asgaard We Fly“, „Hammer Battalion“ oder „The Longships Are Coming“. Abgerundet durch die Zugabe „Death Metal Victory“, das vom Songtitel her das Fazit des Festivals vorwegnimmt. Unleashed sind einfach eine perfekt eingespielte Mannschaft, mit herausragenden Songs und einem Johnny Hedlund, der nicht nur optisch nach wie vor eine gewichtige Rolle im Genre des Schweden-Death spielt. Jetzt ist es also an der Zeit, die Stadthalle wieder neu aufzubauen, damit auch 2026 das nächste Chaos Unity Festival stattfinden kann.

Es war auch an diesem Abend im November ein Fest. Die Organisatoren entwickeln das Festival Jahr für Jahr kontinuierlich weiter und der Erfolg, sprich Besucherzahlen, gibt ihnen absolut recht. Pluspunkt und gleichzeitig kleiner Minuspunt:  Es gab Bier vom Fass. Dadurch allerdings in Peaks recht hohe Zeitverluste durch das Anstellen, wodurch man dann durchaus mal fünfzehn Minuten einer Band verpassen konnte. Da sollte man überlegen, zukünftig durch „Vorzapfer“ nachzubessern. Ansonsten war das Chaos Unity 2025 nahezu perfekt organsiert und gehört mittlerweile zu den Highlights der Szene. Wir freuen uns schon tierisch auf nächstes Jahr. Vielen Dank, Heiko und Final Breath für das Herzblut, das ihr in dieses Festival-Highlight steckt. 


Aus Lohr berichteten:  Kerbinator (Story) / Siggi Lasar (Fotos)


 

Fotos:  Rock Castle Franken



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