SOBER TRUTH - Laissez Faire, Lucifer !

Tracklist:

  • Début Diable
  • Distinctive
  • Dizygotic Twins
  • Imperfection
  • Entre les Chansons I
  • DNA
  • Planted Brains
  • Rebirth
  • Hope, Enjoy & Death
  • Entre les Chansons II
  • Limbus
  • Taste (Unplugged)

Info:

VÖ: 10.09.2021

Label:  ACFM Records

Video:


Bewertung:

Autor:  Kerbinator

 

Bewertung:  9  / 10



Jetzt hat es unser Schramm's Torsten also endlich geschafft. Geschafft, das Album hinzubekommen, welches die Musikgemeinde, die immer so vehement nach Diversität und Abwechslung schreit, will. Denn mit „Laissez Faire, Lucifer !“, dem mittlerweile 6. Album, sind Sober Truth noch einmal schwerer in irgendwelche Schubladen zu stecken, als es vorher schon der Fall war. Die bisherigen Alben, die lyrisch immer abgründiger, immer tiefer in der menschlichen Psyche rührten, bis zum letzten, dystopischen „Psychosis“, erhalten mit dem neuen Werk neben aller Widrigkeiten mit dem des Menschens Innerstes zu kämpfen hat auch Hoffnung. Hoffnung, daß der Teufel sein Tun einfach sein lässt. Laissez Faire, Lucifer !

 

Immer wieder spricht man bei Sober Truth von progressivem Groove Metal mit Hang zum Thrash. Das umspannt die Musik des Quartetts aber nur teilweise. Denn im Sound der Siegburger gehören auch Versatzstücke des Industrial, des atmosphärischen Black Metals, des Punks, des wavigen Dark Ambient Sounds, sowie im Verlauf der Jahre auch immer mehr Melodiösität zum ureigenst guten Ton. Und das macht Sober Truth von Album zu Album immer faszinierender, auch wenn die Songs für Schöngeister schon noch Schläge in die Magengrube bedeuten. Daran ändert auch „Laissez Faire, Lucifer !“ nichts.

 

Und schon das kurze, düster bedrohliche Intro („Debut Diable“) verheißt wenig Fröhlichkeit bzw. deutet gleich an, was in den nächsten 50 Minuten auf einen zukommt. So lässt der Opener „Distinctive“ mit schnellen Saitenanschlägen, verzerrtem Sound, der etwas im Industrial Wasser schippert, und der Mix aus Flüstergesang und verzerrten Screams keine Zweilfel aufkommen, ob sich bei Sober Truth in der Basis was verändert hat. Nein, die Intensität und die musikalische Freiheit sind mehr denn je vorhanden, treibende Beats und melodiöse, sowie harsche Gitarrenmomente zeigen zudem die mittlerweile erreichte Klasse der einzelnen Musiker. Gitarrist Aaron Vogelsberg beherrscht zusammen mit Torsten Schramm, der neben Gesang auch die zweite Gitarre bedient, den Spagat zwischen aggressivem, modernem Riffing und melodischer Schönheit, was neben aller Düsternis auch Glanz bedeutet.

 

Den Nährboden für den impulsiven Sound legen aber die famose Bassistin Jules Rockwell und der meistens wuchtig die Felle verdreschende Paul Bendler. Unglaublich mit welcher Intensität Sober Truth heutzutage ihre Songs rüberbringen. „Dizygotic Twins“ beginnt ruhig, verändert sich aber schnell mittels ballernder Drums und harten Riffs zu wuchtigem Sound mit etwas an die sogenannte Neue Deutsche Härte angelehntem Gesang. Angepisst, aggressiv und mit einem klassischen Dark Metal Refrain zieht der Sänger das brachiale Stück in dunkle Tiefen. Schramm's Gesang erkennt man generell sofort, egal wie man zu der Stimmfärbung steht.

 

Zwischendurch werden kleinere Zwischenspiele eingestreut („Entre les chansons I + II“). Ersteres mit Düsenjäger und Kriegsgeräuschen, letzteres in Form von zittrigen, verspielten Klängen. Diese ziehen noch mehr die Spannung nach oben im Hinblick was denn als nächster Song wohl folgen mag. Denn vorhersehbar ist bei Sober Truth nichts. Mal geht’s chaotischer, gar biestiger zu („Impefection“), mal bedient man sich modernen Thrash-Klängen mit tiefer gestimmten Gitarren und als Gegenpol eingängigen Refrains („DNA“). Teilweise werden hier auch deutsche Lyrics integriert, so auch beim orientalisch beginnenden „Rebirth“, einer flotten Nummer mit wuchtigen Drums und sehr starken Gitarrenthemen. Wie eingängig und melodisch Sober Truth sein können, zeigen sie hier beispielsweise durch den absolut eingängigen, mehrstimmigen Refrain.

 

Einen wahren Paukenschlag liefert die Band mit dem 7 ½ minütigen „Planted Brains“ ab. Frickelige, sowie melodische Gitarrenlicks im Wechsel zur thrashigeren Seite stehen ruhigem, aber giftigem Gesang und gemäßigteren Passagen inklusive erneut wuchtiger Drums gegenüber. Es entsteht trotz aller gewollter Zerfahrenheit eine regelrechte Soundwand, bevor ein elegischer Gitarrenmoment die Szenerie beruhigt. Man könnte diesen Track durchaus als Paradebeispiel nennen, für was Sober Truth anno 2021 stehen. Fantastische Nummer.

 

Man kommt während „Laissez Faire, Lucifer !“ kaum zum Durchatmen. Ständig treibt die Band mit kleinen Veränderungen im Spiel das Geschehen voran. So kommen beispielsweise bei „Hope, Enjoy & Death“ Fans atmosphärischen Black Metals auf ihre Kosten. Neben Flüstervocals herrschen hier kreischige Parts und gar kurze Growls vor. Fast schon im Doom verortet beginnt dagegen „Limbus“, bei dem Torsten ein wenig wavige Gesangslinien beisteuert. Das Wechselspiel von härteren und ruhigeren Passagen und verstörende Gitarrenklänge fordern die zum Ende hin aufkommenden Melancholie heraus, welche durch mehrstimmigen Gesang in Melodien schwelgt.

 

Zum Abschluß haben Sober Truth dann noch eine Unplugged Version von „Taste“ gepackt. Diese akustische Gitarrenballade stand ursrpünglich schon auf „Outta Hell“. Hätte man jetzt nicht unbedingt gebraucht, aber es ist dennoch ein würdiger Ausklang eines fantastischen Albums.

 

Sober Truth ist mit „Laissez Faire, Lucifer !“ ihr bislang bestes, intensivstes und emotionsgeladenstes Album gelungen. Die Trademarks der Band sind nach wie vor sehr stark ausgeprägt, im Bereich Songwriting und Umsetzung sind die Songs aber nochmals ein gewaltiger Sprung nach vorne. Natürlich wird der ein oder andere immer noch nicht mit der Eigenwilligkeit der Band klarkommen. Aber das zeigt, daß sich Sober Truth treu bleiben und sich nicht aus kommerziellen oder ähnlichen Gründen verbiegen. Kontinuierlich hat man sich gesteigert, bis zu diesem grandiosen Höhepunkt. Ich bin gespannt, ob die Jungs und das Mädel dieses Level halten können. Aber, der Teufel soll mich holen, wenn dem nicht so wäre.  



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