LESOIR - Mosaic

Tracklist:

  • Mosaic
  • Is This It
  • Somebody Like You
  • The Geese
  • Measure Of Things
  • Dystopia
  • Its Never Quiet
  • MXI
  • Two Faces

Info:

VÖ: 04.05.2020

Label: Glassville Records


Video:

Bewertung:

Autor:  Kerbinator

Bewertung:  9 / 10



Das ganze Leben besteht aus einzelnen Mosaik-Steinchen, und es obliegt jedem selbst, was für ein Gesamtbild er darauf erschafft. Irgendwann entdeckt jeder Mensch, daß er ganz alleine dafür verantwortlich ist, in welche Bahnen in die Mosaik-Steinchen lenken. So, oder so ähnlich lautet die Aussage des Albums „Mosaic“, das fünfte der niederländischen Prog-Formation Lesoir.

 

Nach dem beeindruckenden Album „Latitude“ von 2017 wurde man durch eine gemeinsame Tour mit Riverside zu einem neuen Album angeregt, daß nun drei Jahre später in mühsamster Kleinarbeit erschaffen wurde, um als erneutes Gesamtkunstwerk zu erscheinen. Die Musik von Lesoir lebt natürlich von dem wundervollen Gesang von Maartje Meessen, oftmals im harmonischen Duett mit Eleen Bartholomeus, die noch Keyboards, eine zweite Gitarre und Percussion zusteuert.

 

„Mosaic“ ist im Vergleich zu „Latitude“ ein wenig entspannter und ohne die latenten Aggressionen geworden. Dennoch sind Teile der 9 neuen Songs von immenser Intensität, was erneut Klangbilder erschafft, die jedem anspruchsvollen Progfan gut reinlaufen dürften und mit typischen Lesoir Feinheiten glänzen. Mit Akustikgitarre und Gesang startet der Opener „Mosaic“. Hier zeigt sich im Prinzip gleich, wie Lesoir ihre Songs aufbauen. Entspannte Gesangparts, solo sowie im Duett, und entspannte Gitarren/Drums bereiten den Hörer auf spannende Weise auf folgende härtere und intensivere Abschnitte vor. Das verleiht dramatische Anflüge und liefert viel Anspruch.

 

Genauso behält man dies bei „Is This It“ bei. Neben der gediegenen Gitarrenarbeit lässt man zuerst Erzählerisches wirken, bevor das Duett langsam steigernd intoniert. Ingo Dassen soliert hier mehr im Alterantive Rock Stil, wobei man sagen muß, daß er auf „Mosaic“ erneut einen brillianten Job hinlegt. Er beherrscht einfach eine Menge Spielarten und sorgt schon alleine durch sein Können für reichlich Abwechslung. Ein etwas unheimlich wirkendes sphärisches Break unterbricht den Song für einen Moment, bevor das Finale in Form eines Bombast-Parts inklusive leicht orientalischer Klänge beeindruckt.

 

Neben dem betörenden Gesang ist Maarje Meessen außerdem für feines Flötenspiel zuständig. Besonders herauszuheben bei „It's Never Quiet“. Parallel zu ruhigem Gitarrenspiel und elfengleichem Gesang liefert die Flöte mal im Zusammenspiel mit den Drums (Bob van Heumen), mal mit Ingo's Gitarre eine leicht folkige Note, auch wenn der Song recht bombastisch ausklingt.

 

Höhepunkt des Albums ist auch gleichzeitig der Albenabschluß. Mit dem fast 8-minütigen „Two Faces“ ziehen Lesoir alle Register ihres umfangreichen Könnens. Der Song startet mit dramatischem Gesang, wird ruhiger, lässt aber mit dramatischen Gitarrenklängen Vergleiche zu Pink Floyd zu. Tolle düstere Klangfarben mit Eleen's hervorragenden Keyboardmelodien und ein engelsgleicher Hintergrundchor spendieren Melancholie und gleichzeitig Harmonie, die durch Ingo Dassen mittels hartem Gitarrenpart etwas gesprengt wird.

 

Auch „Dystopia“ erinnert durch einen Gilmour-Gedächtnis Slide-Gitarrenpart an Pink Floyd. Sphärische Drums, ein männlicher Spoken Words Part, sowie Orgel im Background erheben Anspruch auf Spannung und Dramatik. Verzaubert durch eine elegische Gitarrenpassage wird’s nach einem Break urplötzlich leise...und durch wuchtige Drums entsperrt. Diese (fast) instrumentale Nummer könnte man durchaus als musikalische Blaupause von Lesoir ansehen. Auch hier bringen die Niederländer ihr Können auf den Punkt.

 

„Mosaic“ ist vielleicht einen Tacken entspannter als der Vorgänger. Aber dadurch mitnichten weniger intensiv und spannend. Die fantastischen Musiker, der faszinierende Gesang der Mädels, und das Gespür hochanspruchsvolle Songs zu schreiben, verweben jedes einzelne musikalische Mosaiksteinchen zu einem Gesamtkunstwerk. Jedes Teil passt zum anderen und baut sich darauf auf. Das spannt auf musikalische Weise den Bogen zum mosaik-artigen Aufbau des Lebens. Eine weitere Großtat aus dem Hause Lesoir.  



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