GALAHAD - Seas Of Change

Tracklist:

  • Seas Of Change
  • Dust (extented Edit)
  • Smoke (extended Edit)

Info:

VÖ:  2018

Label: Avalon Records


Bewertung:

Autor:  Kerbinator

Bewertung9,5 / 10



Über 33 Jahre im Geschäft und nach wie vor relevant wie eh und jeh. Galahad, die Prog-Institution um Stu Nicholson bezeichnet das neue Album „Seas Of Change“ schon als so etwas wie ein Comeback-Album, da man zum einen das letzte Studioalbum 2012 herausgebracht hat und zum anderen personell schwierige Zeiten zu überstehen hatte. Zeigten Galahad auf der 2017 veröffentlichten Zusammenstellung alter und rarer Songs, „Quiet Storms“, dem Titel angelehnt noch ihre ruhige Seite, was vielen Fans zu ruhig erschien, bringt das neue Album alles mit, was sich der Galahad-Fan gewünscht und erträumt hat.

 

Von der Ur-Besetzung ist nur noch Stu Nicholson übriggeblieben. Dennoch kann man aktuell wieder auf banderfahrene Mitglieder zurückgreifen. Bassist Tim Ashton, der schon Ende der 80er der Band angehörte, Langzeit-Drummer Spencer Luckman (seit 1987 in der Band), Keyboarder Dean Baker (seit 1997) sowie Rückkehrer Lee Abraham an der Gitarre, der schon von 2005-2009 teilnahm. Beste Voraussetzung also für ein Album, daß den alten und auch neueren Fans gefallen sollte. Und „Seas Of Change“ übertrifft hierbei alle Erwartungen. So genial und (neo)prog-lastig haben Galahad schon lange nicht mehr geklungen.

 

„Seas Of Change“, als Konzept-Album ausgelegt, besteht im Prinzip nur aus einem knapp 43-minütigen Song, der in 12 einzelne Parts gegliedert wurde, welche aber nahtlos ineinander übergehen, so daß man getrost von einem überlangen Song sprechen kann. Das alleine lässt wahrscheinlich schon die Prog-Fans mit der Zunge schnalzen, aber wenn man dann auch noch feststellt, daß dieser Song zu keiner Zeit langweilt, keinerlei Längen hat und mit grandiosem Songwriting aufwartet, kann man schon jetzt getrost von einem Highlight der kompletten Prog-History sprechen.

 

Immer wieder werden einzelne Abschnitte von einem Sprecher (Anchorman) unterbrochen oder eingeleitet, was die Dramatik, die sich im Verlaufe des Albums aufbaut, unterstützt. Das Ganze beginnt mit besagtem Sprecher und engelsgleichen Stimmen, Stu Nicholson setzt erst nach der sechsten Minute zum ersten Mal ein. Und man darf erfreut feststellen, daß Stu immer noch diese einzigartige Stimme besitzt und durch die meist gemäßigteren Vocals keinerlei Aussetzer zu verzeichnen sind. Einfach großartig diese Stimme. Im Verlauf bauen Galahad viele verschiedene Elemente ein, die den einzelnen Abschnitten dienen und auch die abgefahreren Parts und spacig/computerisierten Töne, die man von neueren Galahad Alben kennt, werden ab und an integriert.

 

Die rein instrumentalen Passagen sind auf „Seas Of Change“ meist in der Hoheit, hier wechseln sich harmonische Neoprog-Melodien mit akustischen Gitarrenklängen, Flötentönen und auch härter intonierten Parts ab. Jeweils der entsprechenden Stimmung, die das Album zu diesem Zeitpunkt erhalten muss geschuldet. Alles klingt in sich so perfekt aufeinander abgestimmt, daß man die Konzentration vor den Lautsprechern oder mit den Kopfhörern jederzeit aufrecht erhält. Mittendrin ertönt plötzlich mal mehrstimmiger Gesang, dann folgen wiederum symphonische Klänge oder Piano...der Fundus progressiver Weisheiten ist nahezu endlos. Und wenn dann nach ca. 40 Minuten spanische Gitarrenklänge ertönen, der elfenartige Gesang zurückkehrt und Stu nochmals aufwühlend singt, ist die Emotionalität auf dem Höhepunkt und beendet ein großartiges Konzeptalbum, daß alle Galahad-Spektren enthält, aber im Großen und Ganzen mehr in der Vergangenheit als in der Neuzeit verwurzelt ist, was den generellen Sound anbetrifft.

Die CD-Variante enthält zudem noch „extenden Versions“ der Songs „Dust“ und „Smoke“, die auf „Seas Of Change“ als Abschnitte vorhanden sind, aber auch hier aus dem Kontext „gerissen“ als Einzelsongs sehr gut funktionieren. Diesen Versionen spendierte man fettere Gitarren und intensiveren Gesang, was zwar etwas anders als im Konzept rüberkommt, aber dennoch genial klingt.

 

Das neue Album wurde erneut von Karl Groom in den Thin Ice Studios gemixt und gemastert, was wieder für einen tollen, nahezu perfekten Sound sorgt. Nichts klingt überfrachtet oder zusammengekleistert. Alle 43 Minuten sind homogen und treffend in Szene gesetzt. Über die Thematik des Konzepts konnte man im Vorfeld nicht viel erfahren und auch jetzt ist darüber durch die Band nicht viel bekannt. Es hat wohl irgendwas mit der Unsicherheit über den kommenden Brexit zu tun, über die Veränderungen die UK erfahren wird oder könnte.

 

Galahad haben mit „Seas Of Change“ in meinen Augen ihr Meisterwerk abgeliefert, auch wenn sich dies noch im Laufe der Zeit gegenüber „Nothing Is Written“ und „Empires Never Last“ beweisen muß. Ein einfach nur fantastisches Album !!



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