MARILLION - Script For A Jester's Tear

Tracklist:

  • Script For A Jester's Tear
  • He Knows You Know
  • The Web
  • Garden Party
  • Chelsea Monday
  • Forgotten Sons

Info:

VÖ:  14.03.1983

Label:  EMI Records


Video:

Bewertung:

Autor:  Kerbinator

Bewertung:  10 / 10



Zum ersten Mal in Berührung mit Marillion kam ich durch den Song “Garden Party”, welcher irgendwo damals in den 80ern im Radio lief. Ein Schulkollege, dem ich von dem Song erzählte, berichtete, daß seine Schwester wohl das Album hat, auf welchem dieser Titel sei.  Sofort mußte man mir das Album ausleihen und einige Tage später, fand man mich beim hiesigen Plattenhändler meines Vertrauens, der dann auch „Script for a Jester’s Tear“ vorrätig hatte.

 

Alleine das faszinierende Albumcover von Mark Wilkinson war die Anschaffung wert, gab und gibt es doch immer wieder neue Dinge zu entdecken.  Viele Songinhalte wurden hier anspruchsvoll im Artwork umgesetzt.  

Natürlich gab es den Vergleich zu Genesis. Nicht zuletzt aufgrund der stimmlichen Ähnlichkeiten  von Fish zu Peter Gabriel oder auch dem jungen Phil Collins. Auch die Theatralik bei Live Auftritten konnte man durchaus mit der Genesis Frühphase vergleichen.  

 

Im Nachhinein betrachtet hinkt der musikalische Vergleich dann aber doch, alleine der Keyboardsound von Mark Kelly hatte nichts mehr mit den Mellotron – Zeiten der 70er Prog Bands zu tun. Vielmehr kann man behaupten, daß nicht zuletzt durch Marillion der sog. Neoprog-Sound zumindest mitbegründet wurde.  Und die Songs auf „Script for a Jester’s Tear“ sind dann allesamt Großartigkeiten der Prog-Welt und haben auch mit der Zeit nichts an Faszination und Wertigkeit verloren.

 

Dies beginnt schon mit dem melancholisch, tief traurigen Liebesmelodram….dem Titelsong. Man hört quasi des Narren Tränen fließen, ob der unerfüllten Herzenshoffnung und der Schmerz ist nicht zuletzt durch die wundervolle Gitarrenarbeit von Steve Rothery geprägt. Wenn es dann zum Schluß durch Fish fast flüsternd heißt „…can’t you still say you love me ?“ ist das einfach nur noch Gänsehaut pur. Ein fantastischer Song, den selbst Marillion so nicht mehr zustande brachten.  

 

Das bereits angesprochene „Garden Party“ überzeugt durch virtouose Keyboard-Synthie-Parts und die zynischen Vocals von Fish. Der Song ist eine Abrechnung der High Society und ihren dekadenten Unarten gegenüber der Außenwelt.  Das sehr ruhige und wiederum traurig anmutende „Chelsea Monday“  wird getragen vom einfühlsamen Gesang und ruhigen Basslinien. Die Gitarre von Steve Rothery hat nie mehr so dermaßen „geweint“ wie in diesem Song. Verloren in einer Glitzerwelt, in der man die Karriere suchte und den Abgrund gefunden hat….so in etwa der Grundtenor der Lyrics.  

 

Brachialer, aber nicht weniger aussagekräftig ist auch der zweite 8-Minüter der A-Seite „The Web“. Hier zeigt sich die Vielseitigkeit im Sound von Marillion am Deutlichsten, auch wenn etwas die Eingängigkeit der anderen Songs hier fehlt.  Zwischendrin befindet sich das etwas straightere „He Knows, You Know“, das seinen Höhepunkt auch wiederum in einem famosen Keyboard-Solo hat.  

 

Den Abschluß des Albums liefert „Forgotten Sons“. Ein Anti-Kriegssong, eine einzige Anklage gegen die Gewalt und Unsinnigkeit solcher Kriege. Eigentlich ein recht forscher Song, mit einem Fish, dem Wahninn nahe. Die Phase mit dem Ausspruch  „halt…who goes there…DEATH…approach (?)….Friend (!)“ ist an Dramatik nicht mehr zu überbieten und kann und darf niemanden kalt lassen. Das abschließende Gitarrenthema erledigt dann den emotionalen Rest.  Unglaublich, diese lamentierente Gitarre von Rothery. Schön und bedrückend zugleich.

 

„Script for a Jester’s Tear“ hat, wie schon erwähnt, bis heute nichts von seiner Faszination verloren und den Test der Zeit überdauert. Man kann das Album getrost als Blaupause für etliche Neoprog-Bands sehen und Marillion selbst haben ein solch intensives Album nicht mehr erschaffen. Trotz dem ebenfalls sagenhaften Folgealbum „Fugazi“ und dem Hit-Album „Misplaced Childhood“.  



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