FROST* - Day And Age

Tracklist:

  • Day And Age 
  • Terrestrial 
  • Waiting For The Lie 
  • The Boy Who Stood Still 
  • Island Life
  • Skywards 
  • Kill The Orchestra 
  • Repeat To Fade  

Info:

VÖ:  14.05.2021

Label: InsideOut Music


Video:

Bewertung:

 

Autor:  Kerbinator


Bewertung:  8,5 / 10



Fast ein Jahr ist es her, daß Frost* die EP „Others“ veröffentlicht haben. Eine EP, die zumindest mir, etwas sauer aufgestoßen ist, da die Prog Institution mit ein paar wenigen Ausnahmen völlig an schlüssigen Melodien vorbei Songs kreiert hat, die mehr Elektronika und Dance-Charakter beinhalteten, denn feines Gespür für Eingängigkeiten bewahrten. Jetzt, mit dem vierten Vollzeitalbum, „Day And Age“ ist es glücklicherweise genau umgekehrt. Es überwiegen die tollen, spannend strukturierten Songs und technisch überfrachtete Spielereien sind eher selten.

Der moderne Progrock, den Jem Godfrey, John Mitchell und Nathan King zusammen mit gleich drei Drummern anbieten, zeugt von musikalischer Klasse, völlig interessantem Songwriting und spitzen Produktion.

 

Gleich der Opener und Titelsong „Day And Age“, gleichzeitig mit über 11 Minuten der Longtrack des Albums, nimmt einen in der eigenen Prog Welt von Frost* gefangen. Eine Kinderstimme zur Begrüßung leitet den spannenden Aufbau ein. Cineastisch veranlagte Keyboardthemen finden kongeniale Partner in Gitarre und Drums. Der Gesang von John Mitchell klingt stark nach Peter Gabriel und stellt den Song, wie andere auf diesem Album auch, ein wenig neben die letzten Lonely Robot Kompositionen. Der tolle, recht eingängige Refrain geht einem so schnell nicht aus dem Kopf. Nach einem atmosphärischen Break wird’s wieder flotter und eine mitunter bombastische, lange Instrumentalpassage erhöht den Anspruch immer mehr. Auch die Stakkato-Rhythmen von Mitchell und teils unheimlich wirkende Synthiespielereien lassen jedes Prog-Herz höher schlagen. Wie so oft endet ein solcher Longtrack dann mit der Wiederholung des Refrains. Eine Nummer, die Prog-Klassiker Format besitzt.

 

Auch das folgende „Terrestrial“ ist sehr soundintensiv, liefert teilweise verzerrten Gesang und Klänge, sowie abgehackte Gitarrenrhythmen. Mit Piano und ruhigem Gesang beginnt „Waiting For The Lie“, dem symphonische Klänge und hoher Gesang a'la Steve Hogarth folgen. Ob dieser Gesang nun Jem Godfrey oder Bassist Nathan King zuzuschreiben ist, weiß ich nicht, denn mir ist eher nur die Stimme von John Mitchell bekannt. Bei „The Boy Who Stood Still“ leitet ein Erzähler die Geschichte ein, Computerklänge und Dance-Beats verweisen noch am ehesten auf die letzte EP. Abwechselnd mal ruhiger, mal schneller bleiben diese Beats durchgehend erhalten und krude Gitarrenklänge verstören eher, denn zu fesseln. Glücklicherweise setzt melodischer Gesang sowie ein Chor ein, der den immer wieder durch den Erzähler und Elektronik-Beats bestimmten Song ein wenig auflockern.

 

Mit „Island Life“ setzen Frost* danach eine fröhlichere Duftmarke. Ein happy Start und sonnige Rhythmen erzählen vom Inselleben. Der Gesang kommt auch mal etwas verzerrt, belohnt aber durch den schönen, melodischen Refrain. Betörende Synthieklänge bei „Skywards“ legen die Grundlage für anfangs ruhigen Gesang, der immer intensiver und der Song bombastischer wird. Auch hier zeigt John Mitchell, welch hervorragende Progstimme er hat, immer ein wenig in Ähnlichkeit zu Peter Gabriel. Es folgt der zweite Longtrack „Kill The Orchestra“, der ebenfalls ruhig und mit Piano beginnt. Es entwickelt sich klangvoller Midtempo-Prog, der aber mittels harten Beats und Bässen Fahrt aufnimmt. Ein entspannter Part mit verklärtem Gesang beruhigt die Nummer bevor ein düsterer Erzähler seinen Text beizutragen hat („relax“). Eine wunderbare Gitarren/Keyboard-Passage leitet direkt über zum Abschluß-Track „Repeat To Fade“.

 

Dieser fällt zuerst durch Operettengesang im Background auf, das gesprochene Wort danach wird diesmal beinahe herausgeschrien. Der Refrain ist wiederum von fantastischer Natur und mit reichlich Bombast versehen. Verzerrter Gesang entfremdet und die wieder auftauchende Kinderstimme spannt den Bogen zum Albumbeginn. Ein soundgewaltiges Finale schließt den Kreis.

 

Nach der meiner Meinung nach verunglückten EP sind Frost* mit „Day And Age“ stärker zurück denn je und legen ein Prog Album voller Spannung, Wendungen und beeindruckenden Geschichtsfäden hin. Mitchell's Gitarre ist eh eine Klasse für sich und auch sein Gesang und der von seinen Kollegen sind absolut over the top. Das I-Tüpfelchen sind die drei Drummer (Kaz Rodriguez, Darby Todd und Pat Mastelotto), die zwar moderne aber eben auch viele klassische Beats erzeugen und maßgeblich für die Abwechslung mitverantwortlich sind. Die Stories hinter den Songs werden mit Erzählern, Kinderstimmen etc. cineastisch verpackt. Genauso wie Keys und Synthies viel Fläche und auch Bombast erzeugen. Im Prinzip ist „Day And Age“ ein typisches Prog Album, das man in Ruhe genießen muss um die vielen Facetten zu entdecken. Wer die letzten Lonely Robot Alben mochte, wird von Frost*s neuem Werk definitiv nicht enttäuscht sein. So stark hatte ich das Album nicht erwartet. Klasse !!



Kommentar schreiben

Kommentare: 0