LIQUID TENSION EXPERIMENT - LTE 3

Tracklist:

  • Hypersonic 
  • Beating the Odds 
  • Liquid Evolution 
  • The Passage of Time 
  • Chris & Kevin's Amazing Odyssey 
  • Rhapsody in Blue 
  • Shades of Hope 
  • Key to the Imagination 

Info:

VÖ: 16.04.2021

Label: InsideOut Music


Video:

Bewertung:

Autor:  Kerbinator

 

Bewertung:  9 / 10



Heutzutage gibt es gefühlt jede Woche eine neue musikalische Supergroup, die aus dem Boden gestampft wird. So auch im Progressive Rock. Mit dieser Meinung ist das Label nicht alleine. Ende der 90er Jahre war das noch nicht der Fall und das Liquid Tension Experiment kann daher schon ein wenig als Vorreiter dieser Supergroups gesehen werden. Zwei Alben brachten Mike Portnoy, John Petrucci, Tony Levin und Jordan Rudess damals heraus, bis heute vielbeachtete Werke. Danach wurde es wieder still. Jordan Rudess stieg bei Dream Theater ein, so daß ¾ der Besetzung auch die gleiche wie bei LTE gewesen wäre. Hätte also mit weiteren Ambitionen von LTE wenig Sinn gemacht.

 

Der Pandemie sei Dank (auch wenn das natürlich schizophren klingt), haben die Protagonisten im Augenblick kein volles Programm, was Touren, Promotion-Tätigkeiten für neue Alben und so weiter betrifft, so daß sich die Vier daran gemacht haben, ein neues Liquid Tension Experiment Album zu veröffentlichen. Und dies geschieht jetzt....mit dem bedeutungsschwangeren Albumtitel „LTE3“.

 

Und wieder glänzt das Quartett mit hervorragendem Songwriting, noch besserem, kompetenterem Zusammenspiel und reichlich Futter für Instrumentalfanatiker. Jeder einzelne Musiker ist natürlich auch 20 Jahre erfahrener und weiser geworden. Klar, das auch viele Passagen nach den Hauptbands der Jungs klingen. So schimmern immer wieder Dream Theater, Sons Of Apollo oder Tony Levin's Projekte durch. 8 Songs hat man aufgenommen, dabei zwei Longtracks mit jeweils über 13 Minuten.

 

Der Opener „Hypersonic“ beginnt wirbelig mit Orgelpart und recht flott. Petrucci zeigt gleich mittels Frickeleien und Melodien sein ganzes Können. Auch ein amtliches Keyboard-Solo darf nicht fehlen. Starker Auftakt. „Beating The Odds“ dagegen startet mit feinem Hard Rock Riff und wirkt durch Keyboardsequenz und fröhliche Gitarrenmelodien recht eingängig. Mal im Wechsel, mal im Duett beherrschen diese Instrumente den Song. Levin und Portnoy legen mit traumhafter Sicherheit im Spiel das Fundament.

 

Etwas ausgefallener scheint „Liquid Evolution“ mit seinem langsamen Start und Gitarrengezupfe. Auch xylphonähnliche Klänge unterstützen die weitgehendst schönen Melodien. Der erste Song, den LTE nach 22 Jahren geschieben haben folgt mit „The Passage Of Time“. Dementsprechend aggressiv und offensiv greift John Petrucci mit harten Gitarrenriffs und schnellen Rhythmen an. Danach ändert sich die Atmosphäre hin zur Pianomelodie und schönen Gitarrenpassage. Ein erneut frickeliges Solo lässt sich der Dream Theater Gitarrist nicht nehmen und Rudess' schwebende Keyboards sorgen für dichte Atmosphäre. Kunstvoll wie eh und jeh, das Liquid Tension Experiment.

 

Nach kruden Geräuschen und noisigen Elemeten folgt das jazzige „Chris & Kevin's Amazing Odyssey“, bei dem das avantgardistische Zusammenspiel von Levin und Petrucci die Szenerie prägt. Komisch irgendwie, aber durchaus anspruchsvoll. Dies war die Einleitung zum ersten Longtrack „Rhapsody In Blue“. Natürlich eine Adaption der Orchesterkomposition von George Gershwin. Langsamer, verspielter Start. In Folge wechseln sich frickelig wirbelige Parts mit entspannt atmosphärischen ab. Piano/Gitarren/Keys interpretieren auch mal zusammen und ein eingestreutes Break beruhigt das Ganze nur kurz. Zum Ende hin wird’s immer schneller aber auch fröhlicher bis zum bombastischen Finale.

 

Das 4-minütige „Shades Of Hope“ mit Piano, elegischem Gitarrenspiel und feinen Melodien könnte man durchaus als Übergang zum abschließenden Longtrack „Key To The Imagination“ sehen. Diesen bezeichnet Portnoy als auf einer Stufe stehend mit Dream Theater Longtracks wie „Six Degrees Of Inner Turbulence“ oder „Octavarium“. Hoch angesetzt, aber die Nummer hat tatsächlich viel von Dream Theater. Mit Piano und klangvollen Gitarrenmelodien beginnend, setzt man hier auch mal auf modernere Progmetal-Klänge. Viele Soli begleiten das Stück auf dem Weg ins etwas symphonische, atmosphärische Ziel. Jordan Rudess sorgt mit teils „wirrem“ Keyboardspiel für zusätzliche Akzente, der Anspruch steigt von Minute zu Minute. Bis nach deren 13 dann das dritte Liquid Tension Album zu Ende ist.

 

Das ganze Können von vier begnadeten Musikern vereint auf einem Album und dabei die Homogenität der Songs nicht aus den Augen zu verlieren....das können nicht viele. Aber Liquid Tension Experiment ist es erneut gelungen, sämtliche Facetten ihrer Fertigkeiten zu einem großen Ganzen zu formen und ein durch die Bank spannendes und abwechslungsreiches Album zu gestalten, bei dem man den Gesang zu keiner Zeit vermisst. Großes Progressive Rock-/metal Kino, welches den Vergleich zu den ersten beiden Alben wirklich nicht scheuen muss. Großartig !!



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