Interview mit Markus Pfeffer von




Rock Castle:  Hallo Markus, das dritte Lazarus Dream Album ist gerade raus. Es scheint so als würden dir die Ideen so gut wie nie ausgehen. Immerhin bist du ja nicht zuletzt auch mit Barnabas Sky in den vergangenen Jahren schwer aktiv. Was ist deine Antriebsfeder, über relativ kurzem Zeitraum immer wieder solch qualitativ hochwertige Musik zu erschaffen ? 

 

Markus:  Das passiert einfach so, ungesteuert und ungeplant. Ich schreibe Musik, weil die Ideen aus irgendeinem Grund entstehen, mir zufliegen (was im Barnabas Sky-Albumcover "Inspirations" symbolisiert ist - schau mal nach) und aus mir heraus wollen. Das ist sicher eine Art "Ventil" für aufgestaute Emotionen und um Stress zu verarbeiten. Ich schreibe deshalb so gut wie nie im Sommer, wenn tolles Wetter ist und man viel im Freien sein und sich dabei erholen und ablenken kann. Ich schreibe im Herbst und Winter, weil ich dadurch einen guten Ausgleich und gewissermaßen auch ein seelisches Gleichgewicht finde. Dabei versuche ich natürlich auch, mich nicht zu sehr zu wiederholen - was nicht wirklich vermeidbar ist. Deshalb habe ich beispielsweise mit Jorris Guilbaud von Heart Line (Keyboarder) ein Album komponiert, bei dem ich die Synthesizer-Parts komplett in andere Hände gegeben habe, so dass dadurch auch ganz neue Elemente mit einfließen

  

Rock Castle: Das neue Album sprudelt wieder förmlich über vor tollen Melodien, aber auch durchaus heavy gespielten Riffs und viel Dynamik. Wie einfach ist es für Dich, solche grandiosen Songs zu schreiben und inwiefern ist Carsten mit in den Songwriting Prozess involviert ?

 

Markus: Zum Glück "fliegen" mir permanent Ideen zu. Mal ein Groove, dann eine Keyboardmelodie, dann ein Gitarrenriff. In der Tat sind es gar nicht primär Gitarrenideen (wie bei Rockbands üblich), und vielleicht liegt darin auch das Geheimnis unseres Abwechslungsreichtums. Dann wird meistens ein ganzes Songdemo aus der "kurzen" Inspiration, aber nur instrumental. Diese Instrumentalversion bekommt dann Carsten und er schreibt dazu Text und Melodie. Er hat da sämtliche kreativen Freiheiten, da ich einfach denke dass Sänger ihre selbst verfassten Texte deutlich besser verkörpern können als wenn man ihnen ein paar Zeilen hinlegt und sagt: "Sing das! So und nicht anders! Jetzt!" (*lacht*). So wie wir es machen, ist sämzliche Emotion des gesanglichen Vortrags authentisch, da der Sänger auch der Texter ist und definitiv zu 100 % das fühlt und meint, was er von sich gibt.

 

Rock Castle: Ok, die Freiheit des Textens liegt also größtenteils bei Carsten. Überlegt ihr euch im Vorfeld ein gewisses Konzept, in welche Richtung die Lyrics gehen sollen oder kommt das dann "frei nach Schnauze" von ihm ? Texter verarbeiten ja auch oftmals persönliche Themen in ihren Lyrics....wovon handeln den die Songs auf "Imaginary Life" ?

 

Markus: Carsten entscheidet ganz intuitiv, wovon welcher Song und Text handeln soll. Üblicherweise hat er zuerst einen Songtitel, aus dem dann ein kompletter Text wird. Die Lyrics auf "Imaginary Life" sind überwiegend persönlich ("My Prayer" bspw.), alltagsthemenbezogen ("The Sweetest Chaos", "Vertigo") oder auch mal Fantasy-beeinflusst ("Drink My Blood") und ich finde gerade diesen Variantenreichtum reizvoll. Wäre irgendwie langweilig, wenn alle Songs von Regenbögen und Drachen handeln würden (no pun intended LOL).

Rock Castle:  Apropos "Vertigo"....ich hatte in der Review angemerkt, das ich einen Gary Moore Einfluss heraushöre. Ist dem so ? Oder klingt der Song rein zufällig ein wenig nach dem guten Gary ?

 

Markus: Das kann durchaus sein, ist aber nicht beabsichtigt. "Wild Frontier" war eine meiner Lieblingsplatten, als ich angefangen habe Hardrock zu hören und dann auch Gitarre zu spielen. "The Loner" und der singende/weinende Ton der Gitarre hat mich nachhaltig beeindruckt und sicher auch beeinflusst. Eine wirkliche Reminszenz daran ist allerdings "Timm's Theme" auf dem BARNABAS SKY-Debüt "Inspirations". Hier habe ich die Titelmelodie der 70er Jahre Serie "Timm Thaler" im "Gary Moore-Style" vertont: https://amazon.de/music/player/albums/B09K5SXD1L?marketplaceId=A1PA6795UKMFR9&musicTerritory=DE&ref=dm_sh_XT0mE652GImQ7FNwq1oyIpSya&trackAsin=B09K5Q9DG7

 

Rock CastleDie Platteninfo bezeichnet "Imaginary LIfe" mehr in Richtung dem Debut "Alive" als dem experimentelleren "LIfeline". Nun, so experimentell fand ich den Vorgänger nun auch wieder nicht. Wo siehst Du die größten Unterschiede zu den beiden ersten Scheiben, außer das der gewohnte Melodic Rock-/metal meines Erachtens noch dichter, noch homogener ausgefallen ist ?

 

Markus:  Bei vielen Songs auf "Lifeline" hatte ich bewusst versucht, ein wenig aus dem erwartbaren Arrangement auszubrechen. Also nicht immer nur Riff - Strophe - Refrain - Riff - Strophe Refrain - Solo - Refrain. Dadurch sind viele Songs dann natürlich recht lange geraten, meistens über 5, häufig auch über 6 Minuten. Dadurch wurde das Material rückblickend betrachtet auch etwas, und vielleicht, zu sperrig. Beim neuen Album wollte ich genau umgekehrt vorgehen, die Arrangements nämlich schnell auf den Punkt kommen lassen und die Songs kürzer und griffiger ausgestalten. Das hatten wir beim Debüt übrigens auch so gehandhabt, insofern gehen wir an der Stelle bewusst wieder zurück zu unseren Wurzeln.

 

Rock Castle: Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, aber ich habe noch nie etwas von Lazarus Dream in puncto Live-Auftritte gehört. Kann man somit von einem reinen Studioprojekt sprechen, oder haltet ihr euch für die Zukunft offen, auch mal live aufzutreten ?

 

Markus: In der Tat wurden wir 1999 als reines Studioprojekt gegründet, und das ist seit der "Wiederbelebung" im Jahr 2020 nach wie vor auch unser Schwerpunkt. Mit Markus Herzog haben wir inzwischen allerdings einen festen Drummer an Bord (sein Vorgänger Markus Kullmann war ja nur Gast), so dass man über Live-Auftritte zumindest nachdenken kann. Dafür bräuchten wir dann aber auch noch einen Bassisten, einen Keyboarder und einen zweiten Gitarristen. Würde also kostspielig, und wie immer hängt's am verfügbaren Budget.

 

Rock Castle: Mit "The Sweetest Chaos" und "My Prayer" habt ihr bereits zwei Videoauskopplungen am Start. Beide ähneln sich in der Machart, wirken aber schön atmosphärisch. Wie wichtig sind Euch visuelle Umsetzungen von Songs oder muss man das heute einfach machen ?

 

Markus: Da wir bisher nicht live aufgetreten sind, stellen Videos die einzige Möglichkeit dar, sich optisch/visuell zu präsentieren. Das geht mit Bewegtbild natürlich viel besser als mit einem "stummen" Foto, außerdem gehört es in der Tat inzwischen wirklich zum Erwatrtungshorizont der Konsumenten. Mit Regisseur Christian Esche haben wir dafür einen sehr kreativen Kopf am Start, der immer wieder coole neue Ideen und Ansätze hat, und dafür sind wir sehr dankbar.

 

Rock Castle:  ....und das Mastering hat Rolf Munkes übernommen. Wir läuft das bei ihm in den Empire Studios ? Er scheint ja aktuell ein vielbeschäftigter Mann zu sein. Und Gitarrist ist er ja auch noch nebenbei, glaub ich. 

 

Markus: Ja, Rolf ist sogar ein echt toller Gitarrist. Er hatte mit Carsten ein Album mit den DEAD END HEROES aufgenommen (u.a. war auch Paul Logue Bandmitglied, der die jüngsten James LaBrie-Soloalben komponiert hat), spielt regulär bei CREMATORY und war schon mit Tony Martin auf Tour. Rolf bekommt von mir abgemischte so genannte "Stems", also Stereo-Gruppenexporte wie Leadvocals, Backingvocals, Rhythmusgitarren, Sologitarren, Keyboards, Bass, Bassdrum, Drum-Overheads usw., und damit macht er dann ein Mix-Mastering. Mir ist es wichtig, dass am Ende des Aufnahme-/Mixingprozesses nochmal jemand mit komplett freien Ohren dran geht und bis dato hat das immer perfekt funktioniert.

 

Rock Castle: Du hast ja eingangs erwähnt, das du bevorzugt im Herbst/Winter Songs schreibst. Nun ich denke mal die Tracks von "Imaginary Life" sind weit vorher entstanden. Das wiederum würde bedeuten, das wir demnächst eventuell wieder was Neues von Barnabas Sky erwarten können ? Und auch der Name Atlantis Drive schwirrt im Raum herum....was hat es damit auf sich ?

 

Markus: DIe Musik für "Imaginary Life" habe ich Anfang 2023 geschrieben, parallel dazu hatte Carsten seine Lyrics verfasst und Vocals eingesungen. Ein fast fertiges BARNABAS SKY-Album wartet seit fast eineinhalb Jahren auf Fertigstellung, nachdem einige eigentlich zugesagte Sänger leider plötzlich abgetaucht waren. ATLANTIS DRIVE ist ein Projekt mit Sänger Mark Boals, Keyboarder Jorris Guilbaud und Drummer Markus Kullmann. Unser Debütalbum kommt im Sommer auf Pride & Joy Music und hat eine wesentlich stärkere AOR-Melodic Rock-Schlagseite als meine anderen Projekte, natürlich dank Jorris' tollen Synth-Sounds. Mit ihm gemeinsam habe ich die Songs geschrieben in der ganz klaren Absicht, eine musikalische Rock-Reminiszenz an unsere Kindheit und Jugend zu schaffen.

 

Rock Castle: Klingt sehr vielversprechend. Das heißt um Markus Pfeffer herum wird's nicht ruhiger. Findest Du neben all deiner musikalischen Tätigkeiten überhaupt noch Platz für andere, private Aktivitäten ?

 

Markus: Absolut. Mindestens 5 Mal pro Woche eine Stunde Kraftsport (meistens früh morgens, dann muss man abends keine Entschuldigung suchen, wenn man keine Lust hat), ich reise gerne und oft und bin ein ausdrücklicher Genießer lukullischer Freuden (Blümchen im Salat und so).

 

Rock Castle:  Das erklärt die recht kraftvollen Riffs auf dem neuen Album. Übst du täglich an den Saiten oder lässt du das mittlerweile eher locker angehen ?

 

Markus:  Ich habe Songwriting-Phasen, in denen ich täglich an Songs arbeite und dann auch sehr regelmäßig übe. Das muss schon alleine wegen der Hornhaut auf den Fingerkiuppen sein. Ohne die würde ich mir die Haut beim Saitenziehen einreißen. Früh Morgens 15 Minuten für die Kondition/Hornhaut, abends mindestens eine Stunde Fingerübungen (auch mal auf der Couch parallel zum Fernsehen) und ansonsten halt beim Aufnehmen. Insofern spiele/übe ich anlassgetrieben, aber nie aus reiner Langeweile *lacht*

 

Rock Castle:  Dann hoffen wir mal, das du anlassgetrieben bleibst. Mal was anderes, wie kamst Du auf Namen wie Lazarus Dream und Barnabas Sky.  Gibt's da spezielle Hintergründe dafür oder klingen sie einfach nur gut ?

 

Markus: Lazarus Dream hatte sich Carsten im Jahr 1999 ausgedacht, weil's einfach gut klingt. Die Kombination aus einem biblischen Namen mit einem weiteren Wort fand ich cool, und ich habe deshalb bewusst diesen Ansatz mit Barnabas Sky fortgesetzt. Barnabas bedeutet übrigens wörtlich-sinngemäß "Sohn des Trostes" und diese Bedeutung fand ich passend und angemessen dafür, dass das Projekt damals mitten in der Pandemie für mich eine Art "kreativer Befreiungsschlag" war. Bei Barnabas Sky steckte also durchaus eine thematische Überlegung dahinter.

 

Rock Castle: Das Artwork von "Imaginary Life" zeigt ein Leben in antiker Umgebung. Grammphon, alte Bücher. Ist das die imaginäre, erfundene Welt, in die man sich in heutiger Zeit zurückwünschen möchte ? Sag doch bitte mal ein wenig etwas zum Albumcover...

 

Markus: Carsten hatte die Idee, dass Stan Decker (der auch schon das Artwork unseres zweiten Albums gemacht hat) dieses Mal mehr mit Steampunk-Elementen arbeitet und das Thema "Traumwelt" irgendwie umsetzt. Sein Erstentwurf hat uns total geflasht und das ist nun auch das Cover. Die wirklich interessanten Details sind die Schatten an der Decke, schau mal genau hin, wo die eigentlich herkommen..

 

Rock Castle:  Boah, helf mir mal auf die Sprünge. Ich kann das Bild drehen und wenden wie ich will...komme nicht drauf. 

 

Markus: Über dem Lampenschirm links schweben kleine Gestalten/Figuren in der Größe einer Fliege - das ist die Quelle der überdimensionalen Schatten an der Decke. Alles eine Frage der Perspektive sozusagen - oder auch des Fokus

 

Rock Castle: Wow, ja...genial. Ok, was bis jetzt an Feedback über Euer neues Album kam, kann sich wieder mehr als sehen lassen. Überrascht Euch die Vielzahl an tollen Kritiken überhaupt noch, oder erwartet man das schon, nachdem die beiden Vorgänger ja bereits voll des Lobes erwähnt wurden ?

 

Markus: In der Tat sieht es so aus, als ob wir mit diesem dritten Album die bisher besten Reviews einheimsen konnten. Vielleicht liegt das daran, dass das Album sehr klar fokussiert ist. Erwartet haben wir das offen gesagt nicht, wir hatten eher die Befürchtung, dass man uns vorwirft uns nicht weiter zu entwickeln, weil wir nichts wirklich Neues machen. Aber das ist zum Glück nicht der Fall.

 

Rock Castle: Das ist eine gute Überleitung zum Abschluß des Interviews. Wo geht Deiner Meinung nach die Entwicklung von Lazarus Dream und Markus Pfeffer hin ? Kann man überhaupt irgendetwas verändern, was nochmal eine Schippe drauflegt ?

 

Markus: Das ist eine gute Frage, die ich selbst aber nicht wirklich zufriedenstellend beantworten kann. Ich werde jedenfalls weiterhin versuchen, bestmögliche Musik zu schreiben und zu veröffentlichen. Wie es beim Hörer ankommt ist dann natürlich den Konsumenten überlassen. 

 

Rock Castle: Absolut, und da kommt ihr ja wirklich nicht schlecht bei weg. Ich danke Dir für die Möglichkeit des Interviews und wenn du abschließend noch etwas loswerden willst, bitteschön....

 

Markus: Dann erst mal danke für das Interview und dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast. Und wer uns noch nicht kennt sollte auf jeden Fall mal auf Facebook vorbei schauen (Facebook) oder auf Youtube suchen und reinhören (297) lazarus dream - YouTube)

 

Interview:  Kerbinator (Rock Castle Franken) 


Video:



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